Jetzt zur Person vom Friedhofsdirektor: Er wird immer häufiger Rav Abraham genannt. Rav ist kein geistliches Amt, sondern eher ein Lehrer. Die Bonner Gemeinde hat heutzutage keinen Rabbiner. Die Gemeinde ist dafür zu klein und säkular (weltlich).
Der Weg von Rav Abraham war sehr lang und nicht eben: vom sowjetischen Atheisten zum frommen Juden, dessen Aufgabe er selbst in Bekehrung von anderen sieht.
“Das ist ein sehr warmer und wolliger Ort”, sagt Rav Abraham über die Bonner Synagoge. Früher hatte die Kirche als Institution für ihn eine ganz andere Bedeutung, sie wirkte auf ihn eher bedrückend. Und hier in der Synagoge fühlte er sich von Anfang an wohl. Es war seine Oase.
So begann er regelmäßig in die Synagoge zu gehen. Im Laufe der Zeit kam er zu der Erkenntnis: die Gemeinde existiert für das Gebet. Und so hat der ehemalige Atheist einen Kreis für Torah – Lesende organisiert und vor Corona pflegte er, dass die Leute nicht nur mindestens einmal in der Woche zusammen kamen und lernten, sondern auch die Regeln und Tradition im Alltag pflegten.
Hier in der Synagoge gibt es für ihn ein Lieblingsplatz: Sukkah.
Sukkah ist eine besondere Laubhütte, durch deren Dach man die Sterne erblicken kann. Die Hütte wird während des jüdischen Laubhüttenfestes gebaut. Die Familien pflegen sieben Tage lang in diesen Hütten zu leben, da sie sich so vom mächtigen G-tt behütet fühlen, dass sie keine feste Wände brauchen.

