Zuerst war Zeev kein religiöser Jude, sondern eher ein bewusster. In Bonn wurde er von Rav Abraham empfangen und begann in der kleinen Gruppe Torah zu lernen. Da hat er angefangen, ernst die Bräuche und Traditionen des religiösen Alltags zu praktizieren. Nach und nach kammen das tägliche Gebet, das koschere Essen (Teilung von Fleisch- und milchigem Essen), Tragen von Kippah (Kopfbedeckung der frommen Juden) und Zizit (rituelle Fäden mit Knoten für jüdische Männer) in seinen Alltag. Früher hat er das alles als einen neuen Rahmen, als eine Beschränkung empfunden. “Heute ist es alles zu Normalität geworden”, sagte er.

Wegen seines starken Glaubens fühlt er eine gewisse Abgrenzung, zum Beispiel im Berufskolleg, wo er oft an jüdischen Feiertagen fehlt. Er hat zwar einige russischsprachige Mitschüler, aber ist mit niemandem befreundet. Wohl fühle er sich nur in Yeshiva (religiöse Schule). Auch seine künftige Frau soll nicht nur jüdischer Herkunft, sondern auch gläubig sein.

Er sagt, in Bonn ist es total schwer, im Glauben zu leben, weil man unbedingt 10 Männer (Minian) zum Gebet braucht, was in Bonn fast unmöglich ist, da die Gemeinde und die Zahl der Gläubigen zu gering ist. In einer Gruppe von Gleichsinnigen wäre es viel leichter. 

Zeev praktiziert sein Glauben jetzt in einer größeren Stadt. So wie viele andere gläubige junge Bonner Juden, die zur Zeit in Berlin, in Wien, in Frankfurt oder in Israel wohnen.