Der Junge aus der Stadt Dnepr, der erst vier Jahre in Deutschland lebt, erzählt eher von einer Dissimilation als von der Integration. 

Vom ersten Eindruck her ist er ein ganz normaler deutscher Kerl mit Bart und mit einem Baseball Cap. Er spricht gutes Russisch und Deutsch, das ihm eine Ausbildung bzw. eine Studienvorbereitung erlaubt.

Wir trafen uns an der Synagoge im Gebetssaal, wo er direkt zu seinem Platz ging. “Nicht schlecht”, dachte ich mir, “mit zwanzig bereits seinen eigenen Platz in der Synagoge zu haben”. Sein Weg zur Religion war eine kohärente Bewegung von der jüdischen Krippe und Kindergarten bis zur Schulreife an der jüdischen Schule, wo der Religionsunterricht, bzw. Gebet eine gewisse Rolle gespielt hatten.
 
So kam der Junge, dessen Vater ein Russe ist, zu einer festen Überzeugung, dass sein Weg im mosaischen Glauben liegt. „Es galt für cool, damals in unserer Stadt Jude zu sein“, erklärte Seev seinen Übergang von einem ganz gewohnten Lebensweg (Schule-Uni-Arbeit) zu Judentum und Emigration.